Beginn: 19:30 Uhr
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"Zwischen Aufbruch und Randale: Der wilde Osten in den Wirren der Nachwendezeit"
Das zweite Buch von Geralf Pochop beginnt genau dort wo sein
erstes Buch „Untergrund war Strategie. Punk in der DDR:
Zwischen Rebellion und Repression“ aufhörte.
Er berichtet über seine Erlebnisse ab dem 09. November 1989, dem
Tag an dem die verhasste Mauer fiel.
Diese Aufbruchsstimmung beschränkte
sich nicht nur auf gesellschaftliche Veränderungen,
Hausbesetzungen, Musik- und Jugendsubkulturszenen, sondern auch auf
Familien- und Freizeitzentren, alternativpädagogische
Bildungsprojekte und Initiativen für Umwelt und Naturschutz.
Es fiel in die Zeit der Hoffnung, des
Aufbruchs und der Kreativität. Jede noch so verrückte Idee konnte
in die Realität umgesetzt werden. Alles war möglich.
Die alte Macht hatte nichts mehr zu sagen. Die Regeln der neuen
Gesellschaft waren allen fremd. Die „Volks“-Polizei, welche 40
Jahre lang die Interessen der DDR-Diktatur mit Hilfe der
Staatssicherheit durchgeknüppelt hatte, wurde von niemandem mehr
ernstgenommen. Sie tauchte kaum noch auf. Es entstand ein
rechtsfreier Raum.
Diesen nutzte nicht nur die Subkulturen sondern auch die rasant
anwachsende Nazi-Skin- und Neonazi-Szene. Brutale Überfälle auf
Andersdenkende und Andersaussehende waren an der Tagesordnung. Auch
Menschen mit Migrationshintergrund, Homosexuelle und
beeinträchtigte Personen wurden attackiert. Es entstanden überall
im Land No-Go-Areas. Durch diese als Mensch, der nicht ins Raster
der Nazis passte, zu laufen war lebensgefährlich. Inzwischen wird
diese Situation auch als "Baseballschlägerjahre" bezeichnet!
Aber es gibt natürlich es auch viele
witzige Kapitel z.B. über die "Schlagerpunx" bei Möbel-Walter, die
ausführliche Geschichte des Schlemihl-Records Plattenladens oder
über ausufernde Punk Open Airs die damals ungewollt voll aus dem
Ruder liefen und es teils bis in die Tagesschau
schafften.
Geralf Pochop berichtet von längst vergangenen Zeiten, welche in
dieser Form sicher einzigartig waren. Ein ganzes Land zwischen
Aufbruch und Randale. Zwischen Hoffnung und Resignation. Ein Land,
eine Subkultur auf der Suche nach der Zukunft.
Ergänzend zu den Schilderungen des Autors kommen 14 weitere Protagonisten der damaligen Zeit zu Wort und zeichnen anhand ihrer persönlichen Erlebnisse ein Gesamtbild der Ereignisse in den Nachwendejahren.
Da die Chemiefabrik voraussichtlich ohne dieses
einzigartige, geschichtliche Ereignis nie existiert hätte, ist
diese Lesung nur folgerichtig.
Ein kleiner Teil von ihnen machte sich den rechtsfreien
Raum, der sich dieser Generation bot, zunutze. Ein Konglomerat aus
Künstlern, Kreativen, Bunten und sympathisch Durchgeknallten ist es
zu verdanken, dass dieser Ort entstehen konnte. Es wurden sich
keine Gedanken über jegliche, rechtliche Konsequenzen
gemacht.
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