Di, 08.09.26
Einlass: 18:30 Uhr
Beginn: 19:30 Uhr
Flyer multimediele Lesung mit Geralf Pochop
+ Wir feiern 25 Jahre an 25 Tagen +
multimediale Lesung mit Geralf Pochop
"Zwischen Aufbruch und Randale: Der wilde Osten in den Wirren der Nachwendezeit"

Das zweite Buch von Geralf Pochop beginnt genau dort wo sein erstes Buch „Untergrund war Strategie. Punk in der DDR: Zwischen Rebellion und Repression“ aufhörte.
Er berichtet über seine Erlebnisse ab dem 09. November 1989, dem Tag an dem die verhasste Mauer fiel.
Diese Aufbruchsstimmung beschränkte sich nicht nur auf gesellschaftliche Veränderungen, Hausbesetzungen, Musik- und Jugendsubkulturszenen, sondern auch auf Familien- und Freizeitzentren, alternativpädagogische Bildungsprojekte und Initiativen für Umwelt und Naturschutz. Es fiel in die Zeit der Hoffnung, des Aufbruchs und der Kreativität. Jede noch so verrückte Idee konnte in die Realität umgesetzt werden. Alles war möglich.

Die alte Macht hatte nichts mehr zu sagen. Die Regeln der neuen Gesellschaft waren allen fremd. Die „Volks“-Polizei, welche 40 Jahre lang die Interessen der DDR-Diktatur mit Hilfe der Staatssicherheit durchgeknüppelt hatte, wurde von niemandem mehr ernstgenommen. Sie tauchte kaum noch auf. Es entstand ein rechtsfreier Raum.
Diesen nutzte nicht nur die Subkulturen sondern auch die rasant anwachsende Nazi-Skin- und Neonazi-Szene. Brutale Überfälle auf Andersdenkende und Andersaussehende waren an der Tagesordnung. Auch Menschen mit Migrationshintergrund, Homosexuelle und beeinträchtigte Personen wurden attackiert. Es entstanden überall im Land No-Go-Areas. Durch diese als Mensch, der nicht ins Raster der Nazis passte, zu laufen war lebensgefährlich. Inzwischen wird diese Situation auch als "Baseballschlägerjahre" bezeichnet!

Aber es gibt natürlich es auch viele witzige Kapitel z.B. über die "Schlagerpunx" bei Möbel-Walter, die ausführliche Geschichte des Schlemihl-Records Plattenladens oder über ausufernde Punk Open Airs die damals ungewollt voll aus dem Ruder liefen und es teils bis in die Tagesschau schafften.
Geralf Pochop berichtet von längst vergangenen Zeiten, welche in dieser Form sicher einzigartig waren. Ein ganzes Land zwischen Aufbruch und Randale. Zwischen Hoffnung und Resignation. Ein Land, eine Subkultur auf der Suche nach der Zukunft.

Ergänzend zu den Schilderungen des Autors kommen 14 weitere Protagonisten der damaligen Zeit zu Wort und zeichnen anhand ihrer persönlichen Erlebnisse ein Gesamtbild der Ereignisse in den Nachwendejahren.

Da die Chemiefabrik voraussichtlich ohne dieses einzigartige, geschichtliche Ereignis nie existiert hätte, ist diese Lesung nur folgerichtig.
Ein kleiner Teil von ihnen machte sich den rechtsfreien Raum, der sich dieser Generation bot, zunutze. Ein Konglomerat aus Künstlern, Kreativen, Bunten und sympathisch Durchgeknallten ist es zu verdanken, dass dieser Ort entstehen konnte. Es wurden sich keine Gedanken über jegliche, rechtliche Konsequenzen gemacht. 

präsentiert von: Chemiefabrik
Spendenempfehlung:
5,00€ bis 10,00€